A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
     
 
     
 

Als das Haff bis Tilsit reichte

 
     
 
Die Elchniederung", schreib Paul Lemke in seiner G schichte des Kreises, "ist ein wartendes Land. Sie drängte sich dem Wanderer nich mit eindrucksvollen Schönheiten auf, sie verlangte besinnliche Einkehr, sie wollt entdeckt werden. Wer mit dem Auto die Straßen dahinraste, fand sie eintönig, wer sic aber die Zeit nahm, sich in ihr dem Hasten des Alltages abgewendet umzublicken, de erschloß sich dieses Land, dem wußte es von seinen heimlichen Wundern zu erzählen."

Der Kreis ist geprägt vom Wasser. Die Eiszeit hat die Oberfläche der Landschaft auc in diesem Teil Ostdeutschlands geformt. Die abfließend
en Schmelzwässer haben ein Moränenlandschaft hinterlassen und dabei breite Urstromtäler gebildet. So ist de Memelstrom ursprünglich durch das Urstromtal des Pregels in das Frische Haff geflossen Erst nachdem das Memelwasser den Höhenrücken bei Ragnit durchbrochen hatte, fand de Memelstrom seine neue Fließrichtung zum Kurischen Haff.

In der Nacheiszeit hat sich dann durch die Ablagerungen der mitgeführten Bodenfrachte des Memelstromes das Memeldelta mit seinen verzweigten Flußarmen vor dem Kurischen Haf gebildet. In seinem Urzustand hatte das Haff bis an Tilsit herangereicht. Durch dies nährstoffreichen Schwemmland-Ablagerungen entstand dann die kurische Niederung in diese ehemaligen Haffteil. Dieses Gebiet mit ihrem nacheiszeitlichen Ursprung ist daher – geologisch betrachtet – ein sehr junges Land.

Der Charakter der Landschaft in der Region des Memeldeltas ist dabei durchau vielseitig. Es gibt das Lehmgebiet, den hochliegenden Teil mit dem Baumwald, da Bruchwaldgebiet, die tiefliegende Niederung, die Kurische Nehrung mit dem Haff und die Moorgebiete, mit dem Anschluß an das Große Moosbruch.

Mitten in dieser Region liegt die Elchniederung. Da der Elch hier in de Erlenbruchwäldern und Mooren seinen Einstand hat, wurde die Kreisbezeichnung Niederun Anfang des letzten Jahrhunderts auf Kreis Elchniederung erweitert. Das tiefliegend Gelände in der Elchniederung, das bei hohem Wasserstand überschwemmt wurde, wird als tiefe Niederung bezeichnet; und das hochliegende Gelände, das bei Hochwasser nich eingestaut wird, als hohe Niederung genannt.

Das Gelände der tiefen Niederung im Memeldelta mit seinen vielen Flußauen liegt zu Teil mit dem Haffwasserspiegel auf gleicher Höhe. Es war ein Sumpfgebiet und damit fü Menschen schwer zugänglich. Nur die Wildnisbereiter aus der Ordenszeit konnten sich als Ortskundige einen Weg durch die sumpfige morastige Wildnis bahnen, und meist waren da Wasserwege.

Um 1600, vor dem Dreißigjährigen Krieg, wurden einige Wasserwege in der Urwaldwildni des Memeldeltas "befahrbar" hergerichtet. Dadurch konnten Teilbereiche de Niederung besiedelt werden. Die erste Besiedelung erfolgte über den Wasserweg. Für de Kahnverkehr zur Beförderung von Lasten waren die Gewässer aber noch nicht geeignet. U den fruchtbaren Boden in der Memelniederung für die Landwirtschaft und den Transport zu erschließen, hat Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, im 17. Jahrhundert umfangreich Wasserbaumaßnahmen eingeleitet und auch verwirklicht.

In dieser Zeit wurde die Neue Gilge gegraben sowie der Binnenwasserweg für de Transport zwischen Memel und Deime erstellt. Der Bodenaushub dieser Kanäle und Gräbe wurde für die Verwaltung bzw. Deiche der Kanäle und Flüsse verwendet. Mit der Schaffun des Binnenwasserweges konnten die gefährlichen Fahrten über das Kurische Haff an de Stellen mit seinen geringen Tiefen und Steinhindernissen sowie den bei Sturm auftretende hohen Wellen vermieden werden. An den begradigten Flußstrecken und den Kanälen konnte die Kähne getreidelt werden: Die Kahnbesatzung zog vom Uferpfad den Kahn an der Lein voran.

Auch der Gewässerausbau für die landwirtschaftliche Nutzung wurde durch den Große Kurfürsten und die örtlichen Geländebesitzer aktiv betrieben. Hier hatte er als Landesherr und Eigentümer ein besonderes wirtschaftliches Interesse. Denn nach de Erschließung der Waldgebiete in der Niederung konnte er die erschlossenen Flächen a Siedler, sogenannte Neusassen, abgeben. Diese zahlten dann ihren Zins über die örtliche Wildnisbereiter an die kurfürstliche Kasse, die Schatulle. Diese Siedler wurde Schatullbauern genannt, im Gegensatz zu den Amtsbauern, die ihren Zins an die Amtskasse zu entrichten hatten. Mit dieser direkten Steuerquelle konnte der Große Kurfürst sein Reformen mitfinanzieren.

Zur Besiedelung dieser wasserreichen Niederung wurden auch Holländer angeworben. Si brachten schon Kenntnisse für die Bewirtschaftung des Niederungsbodens und waren fähig Handwerker. Mit Hilfe der Fähigkeiten dieser Neusiedler hat sich die Wasserbewirtschaftung im Memeldelta entwickelt.

Die Wasserwirtschaft ist als ein ganzheitliches System zu betrachten. Das Ganze fäng mit den Wassertropfen an; wo, wieviel und wann fallen sie als Regen vom Himmel! Die Hydrologie liefert dafür die genauen Daten. Beim Auftreffen eines normalen Niederschlag auf die Erdoberfläche versickert das Wasser über den Boden und gelangt weiter in de Untergrund. Hier sammelt es sich als Grundwasser. Auf dem Wege dahin sind Verluste durc Verdunstung und durch den Wasserbedarf für die Vegetation entstanden. Über dies Zusammenhänge gibt die Hydrologie mit ihren Randdisziplinen Auskunft.

Bei einem Regenereignis mit starkem Niederschlag fließt ein Großteil des Wasser oberflächenmäßig ab. Dieser Abfluß erfolgt beginnend in kleinen Rinnsalen übe Fließgewässer bis schließlich zum großen Strom. So nehmen die Wassertropfen ihren We als Wassermenge teilweise in Eisform bis zum offenen Meer, Haff oder See. Über de Verdunstungsweg schließt sich dann der Kreislauf.

In einem Flußdelta wie der Memelniederung gibt es verschiedene wasserwirtschaftlich Abhängigkeiten. Der Hochwasserschutz am Memelstrom mit seinen Eigenarten ist vonnöten Der Strom kommt aus Weißrußland und hat bei seiner Mündung am Kurischen Haff ein Länge von 936 Kilometer zurückgelegt. Sein Niederschlagsgebiet beträgt 97 49 Quadratkilometer. Das ist etwa so groß wie das Land Ungarn. Bei Sommermittelwasser führ der Strom im Mündungsgebiet 360 Kubikmeter pro Sekunde ab. Bei Hochwasser mit Eisgan baut sich eine Flutwelle auf mit einem Abfluß von 6000 Kubikmetern pro Sekunde. Bis zu ersten Verzweigung am Flußdelta hat der Strom den Namen Memel. Der erste Abzweig ist die Gilge, die zum Haff führt. Der Strom wird von dem Abzweig der Gilge Ruß genannt. De Rußstrom teilt sich kurz vor dem Haff in den südlichen Teil Skirwieth und de nördlichen Teil Atmath, beide Teilströme münden in das Kurische Haff. Im Bereich de Memeldeltas müssen alle Stromarme eingedeicht sein, um bei Hochwasser ein Überschwemmung der Niederung zu verhindern.

Das Kurische Haff in der Grundform eines ungleichschenkeligen hochstehenden Dreieck wird an den beiden Katheten vom Festland und an der Hypothenuse von der Nehrung begrenzt Die 100 Kilometer lange Nehrung trennt das Haff von der Ostsee. Im Norden des Haffs gib es eine Wasserverbindung durch das Memeler Tief zur Ostsee. Die Wasserfläche des Haff beträgt 1620 Quadratkilometer; im Vergleich dazu hat der Bodensee gerade einmal 53 Quadratkilometer. Der Haffwasserspiegel kann bei Windstau in der Längsrichtung um eine Meter und in der Querrichtung um 40 Zentimeter ansteigen.

Es genügt nun nicht nur, die Stromarme, die zum Haff führen, einzudeichen. Gegen da Hochwasser, das vom Haff die Niederung überschwemmen kann, muß auch ein Hochwasserschut in Form eines Deiches sein. Dieser Haffdeich liegt einige Kilometer vom Haffufer entfern in der Niederung. Im Außenbereich zum Kurischen Haff liegen Fischerdörfer, die für sic wiederum eingedeicht bzw. auf Anhöhen liegen.

Die tiefe Niederung, hat in dem Bruchwaldgebiet keine natürliche Vorflut zum Kurische Haff. Das Niederschlagswasser aus diesem Gebiet muß über Pumpstationen auf ein Nivea angehoben werden, so daß das Wasser über die eingedeichten Gewässer zum Haff abfließe kann.

Das ganze Niederungsgebiet ist in eingedeichte Polder gegliedert, die jeweils mi Wasser-Hebewerken ausgestattet sind. Für die Entwässerung innerhalb der Polder diene die Hauptgräben, die ihre Vorflut am Hebewerk haben. In diese Hauptgräben münden die Binnengräben, die das Oberflächenwasser abführen und den Grundwasserstand regulieren Optimiert werden kann der Wasserhaushalt im Boden durch eine Rohrdränage, dere Dränleitungen in die Gräben ausmünden. Folgemaßnahmen in Form von Boden-Umbruch un Düngung der landwirtschaftlichen Flächen bilden den Abschluß der Meliorationsarbeiten.

Das Gelände der hohen Niederung mit dem Lehmgebiet sowie den hochliegenden sandige Flächen wird nicht durch Hochwasser vom Memelstrom und Kurischen Haff beeinträchtigt Für dieses höher gelegene Gelände stellen die Ströme, Flüsse und Kanäle, die in da Haff fließen, die Vorflut dar.

Im Bereich der tiefen Niederung sind diese Vorflutgewässer alle eingedeicht. Dadurc wird auch verhindert, daß das Niederschlagswasser der Oberlieger nicht erst in die Polde der tiefen Niederung hineinfließt, um danach wieder mittels Pumpwerk angehoben zu werden Die Binnenentwässerung in der hohen Niederung erfolgt im freien Gefälle. Die weitere Meliorationsarbeiten ähneln denen der tiefen Niederung.

Die Könige von Preußen haben im 18. Jahrhundert die begonnene Erschließung de Memeldeltas durch ihren Vorgänger, den Kurfürsten, fortgeführt und weiterentwickelt Mit der technischen Umsetzung der Wasserwirtschaftsmaßnahmen wurden Baumeister un Forstmeister betreut. Förster wurden wohl deshalb mit eingesetzt, weil sie örtlich Erfahrungen durch die Betreuung der großen Erlenbruchwälder in dem Niederungsgebie mitbrachten.

Die Entwässerungsanlagen wurden aufgrund der Erfahrungen und des derzeitige technischen Stands errichtet. Es gab auch Anweisungen über die Durchführung un Unterhaltung von Vorflutanlagen; wie das von Friedrich König von Preußen im Jahre 177 verordnete "Erneutes Edict wegen zu schaffender Vorfluth und Räumung der Gräben un Bäche".

Im 19. Jahrhundert wurde ein Teil der Deich- und Entwässerungsanlagen zusammengefaßt Dieses war auch notwendig, um besonders bei den Deichanlagen einen einheitliche Hochwasserschutz zu erreichen. Einige Jahrzehnte später wurden für diese Poldergebiet mit ihren Deichen in rechtlicher Hinsicht die Deich- und Entwässerungsverbände mit eine entsprechenden Satzung gebildet. Das Preußische Wassergesetz von 1913 hat hier zu Rechtssicherheit beigetragen.

Das Memelmündungsgebiet war in 21 Deich- und Entwässerungsverbände gegliedert un hatte eine Gesamtfläche von 122 125 Hektar, das sind 1221 Quadratkilometer. Davon lage die größten Verbände in der Niederung, dieses waren der Haff-Deichverband Memel-Delta der Linkuhnen-Seckenburger Deichverband und der Linkuhnen-Seckenburge Entwässerungsverband. Diese drei Verbände hatten alleine eine Größe von über 72 Quadratkilometer. Auf der staatlichen Verwaltungsebene wurde die Fachbehörd Wasserwirtschaftsamt eingerichtet. Für die Ausbildung der Fachleute wurde in Königsber die Bauschule für Wasserwirtschaft und Kulturtechnik gegründet.

In dem Jahrhundert von 1850 bis 1945 wurde die wasserwirtschaftliche Infrastruktur in Memeldelta mit dem Schwerpunkt der Elchniederung auf einen hohen landeskulturelle Entwicklungsstand gebracht. Dazu beigetragen haben die Fachleute mit ihren qualifizierte Kenntnissen, wobei sie auf die Erfahrungen ihrer Vorgänger aufbauen konnten.

Die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen wurden in diesen Jahren entsprechend dem Stan der Technik erweitert und ausgerüstet. So wurden Schöpfwerke neu gebaut, unter andere von Dampf- und Dieselantrieb auf elektrischen Pumpenbetrieb umgerüstet. Kunstbauten fü die Verkehrsanlagen wurden im Zuge der Wasserbauten errichtet. Deiche wurden erweitert erhöht und verstärkt. Die Melioration der landwirtschaftlichen Flächen wurde durc Anlage von Dränagen erweitert.

Die Folgemaßnahmen wurden bis zur Ansaat durchgeführt. Den Landwirten wurden mi diesen durchgeführten Maßnahmen hochkultivierte Flächen zur Nutzung übergeben. Da Ergebnis waren gute und sichere Ernten.

 


 
     
     
 
Diese Seite als Bookmark speichern:
 
     
     
     

     
 

Weitere empfehlenswerte Seiten:

Die ganze Wahrheit bitte: Bundeswehr benötigt ein ungeteiltes Bild deutscher Militärgeschichte

Absolut nicht delight

In Euro-Land schrillen die Alarmglocken

 
 
Erhalten:
infrastruktur
 

 

   
 
 
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
WISSEN48 | ÜBERBLICK | THEMEN | DAS PROJEKT | SUCHE | RECHTLICHE HINWEISE | IMPRESSUM
Copyright © 2010 All rights reserved. Wissensarchiv