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Der Tiefpunkt des schlechten Geschmacks

 
     
 
Viel Lärm um nichts – viel mehr fällt einem nicht mehr ein, wenn man sich mit einem gewissen zeitlichen Abstand die Aufregung um das CDU-Plakat in Erinnerung ruft, das Bundeskanzler Schröder auf einem fiktiven Fahndungsfoto "verewigt" hatte – die "Ewigkeit" dauert in diesem Falle freilich kaum mehr als einen Tag. Zugegeben: CDU-Generalsekretäre früherer Zeiten hatten gelegentlich schon bessere Ideen. Aber so skandalös, wie einige Rot-Grün
-Verherrlicher in den Medien in vorauseilender Betroffenheit beklagten, war der mutmaßliche Rentenbetrüger nun auch wieder nicht.

Vor allem, wenn man das künstlerisch allenfalls mittelmäßige Œuvre Laurenz Meyers mit dem Frühwerk eines Klaus Staeck vergleicht. Der hatte einst die Spitzen der bundesdeutschen Politik, zum Beispiel Franz-Josef Strauß oder Kurt-Georg Kiesinger, in unflätigster Weise in den Dreck gezogen. Die beiden wesentlichen Unterschiede: Die Attacke ging in die "richtige" Richtung, nämlich links gegen rechts. Zudem verstanden es Staecks Freunde in Politik und Medien, die Hetzplakate zu "Kunstwerken" zu verklären, wodurch sie strafrechtlicher Bewertung entzogen waren.

Aber man muß nicht in Willy Brandtsozialdemokratischer Mottenkiste kramen – Vergleichsmaterial, angesichts dessen das CDU-Plakat geradezu harmlos und bieder wirkt, findet sich auch heute – ganz aktuell im Internet. Etwa auf den Web-Seiten der Jusos in Bayern und Hessen: Dort kann man sich Postkarten herunterladen, auf denen die gesamte Unionsspitze in primitivster Weise zu nationalsozialistischen, antisemitischen, gewalttätigen oder sonstigen Verbrechern abgestempelt wird. Nimmt man die Delikte, mit denen Merz, Stoiber oder Beckstein da in ursächlichen Zusammenhang gebracht werden, dann erscheint der gegen Schröder erhobene Vorwurf ("Lüge und Betrug") juristisch wie moralisch vergleichsweise harmlos.

Die Union wäre gut beraten gewesen, im Plakatstreit nicht wieder einmal postwendend in die Knie zu gehen, sondern die Kampfansage in Form einer flächendeckenden "Kampagne gegen rechts" anzunehmen und offensiv zu beantworten. Ein qualitativ mittelmäßiges, in der Aussage aber "knallhartes" Plakat wäre immer noch besser gewesen als ein so kläglicher Rückzug. Denn leider gilt auch in der Politik: Vornehmheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr … Nina Schulte

Hetze im Internet:

Auf den Web-Seiten der bayerischen und hessischen Jungsozialisten werden konservative Politiker in hinterhältigster Weise diffamiert – die in Sachen Schröder-Plakat (Bild rechts: CDU-Generalsekretär Meyer bei der Präsentation) so empfindsame SPD hat es bislang nicht für nötig befunden, ihren eigenen Nachwuchs zu einem Mindestmaß an Anstand im Umgang mit dem politischen Gegner zu mahnen.

 
     
     
 
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