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Es gibt kein Zurück

 
     
 
Nach dieser Woche ist es egal, ob Fidel leben oder sterben wird. Kuba ist bereits eingetreten in ein neues Kapitel, und es gibt kein Zurück mehr!" Wie Jorge Mas Santos redet derzeit die gesamte exilkubanische Opposition. Mas Santos ist Vorsitzender der "Fundación Nacional Cubano Americano" (Kubanisch-Amerikanische Nationalstiftung, FNCA) mit Sitz im US-amerikanischen Miami, der Hochburg
der Exilkubaner. Die FNCA ist die stärkste der 17 Gruppen von Castro-Gegnern, die bereits 2005 ein Manifest unter dem Titel "Wegweiser für einen kubanischen Konsens" verabschiedet hatten.

Die Erkrankung des "Máximo Líder", wie Castro sich hochtrabend nennen läßt, elektrisiert die kubanische Opposition außerhalb wie innerhalb des kommunistischen Landes. Ist es endlich soweit?

Beobachter erwarten übereinstimmend, daß nicht ein neuer, einzelner Führer an die Stelle des alten treten werde, sondern ein Kollektivgremium, in dem Fidels Bruder Raúl viel Gewicht zukomme. Der 75jährige gilt zwar als dogmatisch, jedoch werde er den herkömmlichen Weg kaum beirechterhalten können. Reformen seien unausweichlich.

Das liegt auch daran, daß Millionen Kubaner dem "Máximo Líder" zwar noch einen gewissen Respekt zollen, daß sie Gängelung, Bespitzelung und Rechtlosigkeit aber dennoch gründlich satt haben. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks ging es Kuba schlecht, so schlecht, daß manchmal zwölf Stunden am Tag der Strom ausfiel und sich die Menschen mit Zuckerwasser und Erbsenbrei am Leben halten mußten, weil es sonst nichts zu essen gab. Auf dem Höhepunkt der Misere, 1994, versammelten sich Hunderte von jungen Männern auf der Prachtpromenade Havannas. Sie hatten Steine dabei und waren bereits mit Sicherheitskräften aneinandergeraten. Dann erschien Castro, umringt von seinen Wachleuten. Und was geschah? Die Demonstranten ließen die Steine fallen und applaudierten ihm. Offenbar setzten sie in den alten Mann noch immer Hoffnungen. Als der "Líder" jedoch verschwunden war, ging die Polizei mit aller Brutalität auf die Versammelten los und verhaftete etliche.

Castro ist vielen ein Mythos geworden, selbst denen, die unter ihm zu leiden hatten oder haben. Alte Genossen meinen, man respektiere ihn noch, aber niemand höre ihm mehr zu. Nachfolger müßten ohne seine Aura zurecht kommen. Sie würden es schwer haben.

Raúl Castro strebt offenbar die "chinesische Lösung" an: mehr Marktwirtschaft, aber keinesfalls Demokratie. Er sei kein Dummkopf, heißt es, und wisse daher, daß er allein mit Pekings Investitionen und venezolanischem Öl, das Castro-Bewunderer Hugo Chávez zu Dumpingpreisen liefert, die Wirtschaft nicht in Schwung bringt.

Auch würde er kaum dem Irrweg des greisen Bruders folgen, der die leichte Erholung der Versorgungslage bereits zum Anlaß nahm, von der Rücknahme der wenigen marktwirtschaftlichen Reförmchen zu träumen, zu denen er sich in den 90er Jahren gezwungen sah - wie die Zulassung von Massentourismus und kleinen Privatrestaurants. Es ist eine neue soziale Schicht entstanden, die sich das womöglich nicht gefallen ließe.

Der Spitzelstaat funktioniert noch. Die Dissidenten indes fühlen sich von Tag zu Tag stärker, Demonstrationen häufen sich seit Jahren - trotz Einschüchterungen und Verhaftungen. Jorge Mas Santos dürfte recht behalten: So oder so - Kuba steht vor einschneidenden Umbrüchen.

Erstaunlich bleibt dabei die Passivität der USA. Von der eigenen Blockadepolitik eingemauert, die Präsident Bush zuletzt noch einmal verschärfte, hat sich Washington der Möglichkeit beraubt, flexibel auf die Ereignisse in Havanna zu reagieren. So kann die US-Regierung kaum mehr tun, als Appelle gen Süden abzusetzen.
 
     
     
 
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