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Gedenken nur an Rotarmisten

 
     
 
In Zeithain in Sachsen soll eine Gedenkstätte für jene sowjetischen Kriegsgefangenen errichtet werden, die dort nach dem Ausbruch von Ruhr-, Typhus- und Fleckfieberepidemien gestorben sind.

Auf den Seelower Höhen wurde im vergangenen Jahr das monumentale sowjetische Ehrenmal mit einem vier Meter hohen bronzenen Rotarmisten restauriert. Das Land Brandenburg und der Landkreis Märkisch-Oderland
brachten dafür 85.000 Euro auf. Mitte der neunziger Jahre wurden in Berlin die drei sowjetischen Prunkehrenmale, die im Begriff waren zu verrotten, auf deutsche Kosten wiederhergestellt. Der Umweltsenat hatte veranschlagt, daß 15 Millionen Euro dafür aufgebracht werden müßten; die Unterhaltung kostet jährlich nochmals 425.000 Euro.

1998 restaurierten Pioniere der Bundeswehr eines der maroden Sowjet-Ehrenmale in der Hauptstadt. Auf eine Anfrage der PDS-Fraktion im Bundestag berichtete die Bundesregierung 1998, auf dem Gelände der ehemaligen DDR gebe es über 500 sowjetische Gedenkstätten, für deren Erhaltung die Länder im vorausgegangenen Jahr, also 1997, aus Bundesmitteln 11,9 Millionen DM als Zuschuß zu den Ländermitteln erhalten hätten. Für 1998 seien weitere 11,3 Millionen DM vom Bund vorgesehen. Auf der anderen Seite werden Denkmale für die gefallenen deutschen Soldaten in Deutschland beschmiert, beschädigt, abgebaut. Ziel weiterer Denkmalstürmerei ist jetzt das Erinnerungsmal an die 20.000 Gefallenen und Vermißten des 1. Panzer-Korps der ehemaligen Waffen-SS in der kleinen Taunusgemeinde Marienfels. Der Kameradschaftsverband hatte diesen Ort zur Errichtung eines Denkmales ausgewählt, weil sich enge und freundschaftliche Bande im Winter 1939/40 zwischen den Einwohnern der Gemeinde und den monatelang in Privatquartieren im Ort untergebrachten Soldaten dieser Einheit entwickelt hatten.

Alljährlich trafen und treffen sich zum Volkstrauertag Hunderte von Überlebenden, um gemeinsam mit vielen Bürgern, den Gemeindevertretern und dem örtlichen Pfarrer der Kriegsopfer zu gedenken und Kränze niederzulegen. Der ehemalige Vorsitzende des Kameradschaftsverbandes hatte gewünscht, daß seine Urne vor diesem Ehrenmal bei- gesetzt werde. So geschah es. In der Vergangenheit hatten gelegentlich Linksradikale das Ehrenmal beschmiert, was dann von der Kameradschaft beseitigt wurde, doch gab es ansonsten keinerlei ähnliche Zwischenfälle.

Als jetzt der zwischen dem Kameradschaftsverband e. V. und der Gemeinde abgeschlossene Pachtvertrag auslief, baten die Vertreter der ehemaligen Soldaten um ein Gespräch mit den Zuständigen, um über die Verlängerung zu verhandeln. Das wurde brüsk abgelehnt. Statt dessen wurde den alten Herren eine neue Vereinbarung vorgelegt mit der Bemerkung, darüber gebe es keine Verhandlungen. Sie sei zu akzeptieren, oder das Denkmal werde abgerissen.

Nach dieser Vereinbarung soll der abgelaufene Vertrag nicht verlängert werden. Allerdings werde der von der SPD und Grünen dominierte Gemeinderat den Abriß zurückstellen, doch sollte er jederzeit das Recht haben, den Abriß durchzuführen, wenn sich bei den alljährlichen Gedenkfeiern andere als die Mitglieder des Kameradschaftsverbandes, deren Familienangehörige und Zeitzeugen einfinden würden. Auch sei es verboten, daß andere als der Kameradschaftsverband dort Kränze niederlegen. Werde dagegen verstoßen, habe die Gemeinde das Recht, den Abriß zu vollziehen.

Solche Regelungen würden der Gemeinde jederzeit die Möglichkeit des Abrisses geben. Der Kameradschaftsverband solle eine Sicherheitssumme in Höhe von 3.000 Euro hinterlegen, die die Gemeinde benutzen werde, um gegebenenfalls das Ehrenmal abzureißen. Würde davon etwas übrig bleiben, fiele der Rest an die Gemeinde. Auf einen solchen Knebelungsvertrag wollten sich die alten Soldaten nicht einlassen. Als sie sich an den zuständigen Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, Schmidt, um Hilfe wandten, wurden sie schroff abgewiesen. Briefe an den Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz, Beck, und an den Bundestagsabgeordneten des Gebietes, den ehemaligen Verteidigungsminister. Rudolf Scharping, blieben bisher unbeantwortet. Der Bundeswehrverband, ebenfalls um Unterstützung gebeten, leistete sich mit der Unterschrift seines Stellvertretenden Vorsitzenden, Wolfgang Ostermeier, eine signifikante Begründung. Zwar setze sich der Deutsche Bundeswehrverband auch für die Bewahrung des Andenkens der in zwei Weltkriegen gefallenen Kameraden ein, doch gelte das nicht für die toten Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS, bei denen die "nie auszuschließenden Möglichkeiten einer besonderen System-Nähe ... zum damaligen Nazi-Regime" gegeben seien. Es gibt allerdings keinerlei Zurückhaltung, auch keine Intervention des Deutschen Bundeswehrverbandes, die Ehrenmale für die Gefallenen der Roten Armee mit immensem finanziellem Aufwand zu erhalten und zu pflegen, auch wenn es unter den Toten sicherlich manche gibt, denen "eine besondere Nähe zum damaligen Stalin-Regime" nachgesagt werden kann. Wenn es aber um die eigenen Landsleute geht, dann wird auch noch Jahrzehnte nach dem Tod sorgsam nach früherer politischer Gesinnung gefahndet. Die einen, die Rotarmisten, werden für wert befunden, daß man ihrer gedenkt, die anderen, Deutsche, werden geschmäht.

Marienfels: Das beschädigte Ehrenmal für das 1. Panzer-Korps.
 
     
     
 
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