A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
     
 
     
 

Hartz die Letzte

 
     
 
Die Montagsdemonstranten sind diesmal schon am Sonnabend ausgerückt, um das letzte Gefecht gegen Hartz IV auszutragen. Gewerkschafter (angekarrt mit einhundert Bussen), Attac- und PDS-Vertreter - die üblichen Verdächtigen also - demonstrierten am 2. Oktober. Das soll s dann gewesen sein. Immer weiter demonstrieren, dazu fehle die Kraft, gab Berlins PDS-Chef Liebich offen zu.

Und so zogen die Reformgegner vom Alexanderplatz
aus durch Mitte und Prenzlauer Berg. Mit ihren Che-Guevara-, Gewerkschafts- und Attac-Fahnen. Sogar eine Abteilung der "Freien Deutschen Jugend" marschierte mit den Fahnen der früheren Staatsjugend und blauen Hemden in der Kolonne der Hartz-Hasser. Mittendrin auch jene Dauerdemonstranten, die früher Häuser besetzten und sich jeden 1. Mai Straßenschlachten mit der Polizei liefern: Berlins Anarcho-Szene. Auch diesmal wäre es fast zu Ausschreitungen gekommen.

45.000 sind gekommen. Im Verhältnis zur Beteiligung an den Berliner Montagsdemos recht viel, gemessen an den Erwartungen der Genossen jedoch lachhaft. Als im Sommer die Montagsdemos noch jede Woche mehr Zulauf erhielten, da rechnete man schon mit einer Million Teilnehmer bei dieser letzten Parade. Inzwischen steigt in Umfragen die Zahl derer, die die Reformen befürworten. Das Aufflackern des kollektiven Unwohlseins in den Neuen Bundesländern ebbt ab. Im Westen ist diese Bewegung sowieso nie recht angekommen.

Zukunftsgläubigere Zeitgenossen vergnügten sich einen Kilometer Luftlinie entfernt am Brandenburger Tor. Dort und in den Ministergärten feierten sie die Deutsche Einheit, zwischen den unvermeidlichen Freßbuden mit Crepes, Gyros und anderen "deutschen" Spezialitäten.

Deutschland gleicht am 14. Geburtstag der Vereinigung ein bißchen dem pubertierenden Kind, das noch immer auf der Suche ist nach sich selbst. Die von gestern, die Besitzstandswahrer aus DGB-Gewerkschaftern und Sozialisten bringen, gemessen an den Möglichkeiten ihrer gewaltigen Apparate, nur noch ein kümmerliches Häufchen auf die Straße. Das Volk, für dessen Repräsentanten sie sich in frecher Vergewaltigung des 1989er-Revolutionsspruchs "Wir sind das Volk" ausgeben, feiert völlig ungerührt und fröhlich seinen Tag der Einheit. Montag geht schließlich die Arbeit weiter, oder - für die weniger Glücklichen - die Stellensuche.

 
     
     
 
Diese Seite als Bookmark speichern:
 
     
     
     

     
 

Weitere empfehlenswerte Seiten:

Wechselspiel der Elemente

Raus aus der Bruchbude

Bundeswehr: Offensiv vertreten

 
 
Erhalten:
 

 

   
 
 
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
WISSEN48 | ÜBERBLICK | THEMEN | DAS PROJEKT | SUCHE | RECHTLICHE HINWEISE | IMPRESSUM
Copyright © 2010 All rights reserved. Wissensarchiv