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Keine Abtretungen

 
     
 
Bei einem Treffen des Vorsitzenden des (Königsberger) Gebietslandwirtschaftsministeriums, Jurij Schlimow, mit dem litauischen Landwirtschaftsminister Edward Makialis wurde unter anderem die Frage einer langfristigen Verpachtung von Land im Grenzbereich des Königsberger Gebiet
s an Litauen als Gegenleistung für die Schulden der Unternehmen des Gebiets erörtert.

In einem Leserbrief an die Kaliningradskaja Prawda brachte ein hiervon betroffener Bauer seine Bedenken zum Ausdruck: Ihm sei es unverständlich, daß der Kreis Ragnit sein Land zur Pacht zur Verfügung stellen soll, wenn Königsberger Unternehmen Schulden bei den Litauern haben. Zumal es sich um einen Kreis handelt, der ohnehin schon zu kurz komme, da in ihm weniger Steuern eingenommen werden als in anderen. Seiner Meinung nach wäre es sinnvoller, wenn die Königsberger Mühlen im Austausch für ihre Schulden Mehl an die Brotfabrik in Ragnit liefern würden oder an die sozialen Dienste des Kreises, an den örtlichen Gesundheitsschutz, an das städtische Bildungszentrum, an Notunterkünfte. Eine weitere Möglichkeit wäre, der ohnehin schon am Hungertuch nagenden Bevölkerung das brachliegende Land zur Pacht zur Verfügung zu stellen, anstatt es an die Litauer abzugeben.

Ein weiterer Einwand bezieht sich auf den Export landwirtschaftlicher Produkte an Litauen. Da die litauische Währung in amerikanische Dollar konvertiert wird, steigen die Preise für örtliche Lebensmittel sprunghaft. Alles hat sich infolgedessen um 180 Grad gewendet: lieferte früher die Königsberger Region Fleisch und Milch an Litauen, so liefert Litauen jetzt all das ins Königsberger Gebiet. Dagegen wäre es für einen Russen undenkbar, in Tauroggen oder Heydekrug oder in einer beliebigen anderen Stadt in Grenznähe ein Lädchen aufzumachen. Zwar könnte die Gebietsadministration Verträge aushandeln, die Steuern einbringen würden und darüber hinaus den Fortschritt vorantreiben würden. Denn verpachten heißt ja noch nicht verkaufen. Man müßte nicht gleich die Annexion grenznaher Gebiete befürchten.

Jedoch hat dieses Thema für das Königsberger Gebiet eine besondere Note: Die Befürchtungen des Bauern gehen dahin, daß für den Fall, daß ein Deutscher Land pachten wolle, um es zu bearbeiten, und Rußland immer schwächer würde, der Pächter sich daran erinnern könnte, daß ja seine Vorfahren hier Land besaßen. Diese Problematik könnte man zwar mit einem Bodengesetz regeln, aber die Gebietsduma läßt nicht durchblicken, was sie vorhat. Zwar wurde bereits Land unter den Bauern verteilt, aber es fehlt ihnen an Mitteln, es zu bearbeiten. Offensichtlich sei nur, daß halbherzige Entscheidungen jede Idee einer funktionsfähigen Landwirtschaft diskreditieren. Daß die zivilisierte Welt auf Privateigentum sowie auf einen landwirtschaftlichen Markt zähle, habe der Gouverneur Leonid Gorbenko erfreulicherweise begriffen. Er unterstützt das Recht auf Privateigentum, das in der Konstitution garantiert wird. MRH

(Aus: Kaliningradskaja Prawda)

 
     
     
 
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