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Noch mal auf die Schulbank

 
     
 
Da wird Russisch und Türkisch gelehrt und unsere eigene alte Schrift gerät in Vergessenheit." Brigitta Wenke nimmt dies jedoch nicht als gegeben hin. Die 78jährige ehemalige Dozentin für Stenographie hat inzwischen ihre in ihrem Berufsleben erlernte Fähigkeit des Unterrichtens erneut aktiviert und unterweist Interessenten in deutscher Kurrentschrift. 109 Teilnehmer haben in den bisher abgehaltenen Kurse
n in der Familienbildungsstätte Duissern bei Duisburg und im Friemersheimer Schulmuseum an den Schulungen der enthusiastischen Kurrentschriftexpertin teilgenommen.

Schon als Kind fand Brigitta Wenke die deutsche Kurrentschrift, die sich als Schreibschrift aus den gebrochenen Schriften entwickelt hat (Textur, Fraktur oder Schwabacher), sehr schön. Als die Schrift 1941 von den Nationalsozialisten als angebliche "Judenlettern" verunglimpft und verboten wurde, schrieb die junge Brigitta privat trotzdem weiter in der jahrhundertealten Kurrent- oder Sütterlinschrift, was nicht das gleiche ist. Letztere ist nämlich lediglich eine spezielle Form der deutschen Kurrentschrift, die sich etwa in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in den Schulen durchgesetzt hat.

Zur großen Überraschung der Kursleiterin, die sich auch im 600 Mitglieder zählenden, weltweit agierenden Deutschen Kurrentschrift-Club engagiert, sind die Teilnehmer ihrer Schulungen im Alter sehr gemischt. Aber auch die Gründe, warum man diese vom Vergessen bedrohte Schrift erlernen will, sind sehr unterschiedlich. Einige wollen die Urkunden oder Tagebücher ihrer verstorbenen Verwandten lesen, andere wollen alte Kochbücher entziffern können. Auch ein Geschichtsstudent ist unter den Teilnehmern, der für seine Studienarbeit zur napoleonischen Zeit alte Originaldokumente verstehen muß. Selbst von offizieller Seite wird der Einsatz von Brigitta Wenke anerkannt. Da man auch in Zukunft Mitarbeiter benötigt, die die Schriften in den alten Stadt- und Gemeindearchiven lesen können, ist die Kenntnis der Kurrentschrift äußerst hilfreich. Der Bürgermeister hat sogar anfragen lassen, ob die ehemalige Sekretärin nicht auch an der Volkshochschule ihr Wissen weitergeben möchte.

Erstaunt ist die Kursleiterin auch über die Disziplin der Teilnehmer. "Ich nehme sie streng mit Hausaufgaben und so ran, doch das macht denen nichts aus. Nach elf Stunden Unterricht kann ich ihnen sogar

lange Texte diktieren." Sonderrechte gibt es nicht, in ihren Kursen sind alle gleich. Das gilt auch für den an der alten deutschen Schrift interessierten Schulleiter, der jetzt nur Schüler ist, wie alle anderen auch.

Auch in der eigenen Familie stößt die Rentnerin auf Interesse. Ihre 14jährige Enkelin hat sich schon mit Interesse die Unterrichtsunterlagen der Großmuttter angeschaut und will jetzt schon einmal die Schrift üben, damit sie beim nächsten Besuch in Duisburg noch Tips und Tricks erhalten kann.

Fritz Hegelmann

Engagiert sich für alte deutsche Schrift: Brigitta Wenke
 
     
     
 
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