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Tiefer Glaube an das Gute

 
     
 
Wer nicht träumen und schauen kann, kommt nicht mit", sagte der Maler Emil Nolde einmal und meinte damit "Ausflüge ins Traumhafte, ins Visionäre, ins Phantastische". Träumen und schauen, genau hinschauen werden die Besucher einer Ausstellung, die derzeit in Emden zu sehen ist, ganz gewiß. "Emil Nolde - Paare" lautet der Titel einer wunderbaren Präsentation eines der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Die Kunsthalle in Emden macht sich mit dieser hochkarätigen Schau von rund 40 Gemälden und 30 großformatigen Aquarellen, die dort exklusiv zu sehen ist, ein Geschenk zum 20. Geburtstag und beweist, daß Kunst auch abseits der großen Metropolen ein interessiertes Publikum findet. Zu sehen sind darüber hinaus 60 sogenannte "Ungemalte Bilder", die Nolde während seines Malverbots durch die National
sozialisten heimlich schuf und von denen viele nun erstmals öffentlich gezeigt werden.

Emil Nolde (1867-1956), der Sohn nordfriesischer Bauern, ist vielen vor allem als Maler eindrucksvoller Landschaften bekannt. Seine mit virtuoser Farbigkeit gemalten Küstenlandschaften oder auch die Blumenmotive gehören "zu den zeitlosen Schätzen deutscher Kunst", werten Kunsthistoriker. Doch Nolde hat sich auch der Darstellung des Menschen, der Beziehung zwischen einzelnen Menschen zugewandt. Das Menschliche an sich interessierte den Künstler sehr: "Ganz gleich, ob arm oder reich, ob Knecht oder Fürst, wir alle sind Menschen und nackt geboren: lediglich nur das Menschliche gibt Wert und Maßstab, ob schlecht, ob gut, materiell oder geistig, kleinmütig oder großzügig."

Emotionen und Begegnungen stellte Nolde in seinen Paarbildern dar. "Die einfachste Regung ist ihm dabei bildwürdig genug", erläutert Nils Ohlsen, Kurator der Ausstellung, im Katalog. "Nolde feiert das bloße Dasein als etwas Wunderbares, ja Heiliges. Er zeigt Dummheit, Unwissenheit, Starrsinn und Hochnäsigkeit, beläßt seinen Figuren jedoch ihre Würde. Nie überzeichnet er sie ins Monströse oder gänzlich Lächerliche."

Oft sind es ungleiche Paare, die der Künstler auf die Leinwand bannte, alte Männer und junge Mädchen, Häßliche und Schöne. Doch: "Je mehr man versucht, das Paarmotiv bei Nolde in einzelne Kategorien einzuteilen, desto klarer tritt die übergeordnete Motivation hervor, die ihn zeitlebens immer veranlaßt hat, Menschen in allen Medien seiner Kunst paarweise aufeinandertreffen zulassen", erläutert Ohlsen.

"Nolde versteht sich nicht als Chronist, sondern als ein ,aus dem Nichts schaffen wollender Künstler."

Die Eindrücke sind vielfältig, die der junge Emil Hansen, der sich später nach seinem Geburtsort Nolde nennt, empfängt. Die Ausbildung zum Holzschnitzer führt ihn in fremde Städte und Länder. Die Ostseeinsel Alsen, seine nordfriesische Heimat, aber auch die Großstadt Berlin geben die Impulse für die farbenprächtigen Bilder. Eine abenteuerliche Expedition führt Emil Nolde und seine dänische Frau Ada 1913 / 14 in die Südsee; auch von dort bringt er wertvolle Eindrücke mit, die sich später in Bildern niederschlagen. "Mit einer bisweilen fast ethnologischen Sorgfalt" (Ohlsen) studiert Nolde die Gesichtszüge, den Schmuck, die Kleidung der Fremden.

Aber auch und vor allem sind es die Beziehungen zwischen Menschen, die ihn interessieren. Spannungen, seien sie nun positiv oder seien sie negativ, will er ins Bild setzen. Drama oder Harmonie, Märchen und Mythen kommen bei Noldes Paarbildern meisterhaft zum Ausdruck.

Emil Nolde, der Beobachter, der Künstler, der mit offenen Augen - und Ohren - durch die Welt ging. Schon als junger Mann entdeckte er seine "Lust an der bildlichen Darstellung und seine Rolle als distanzierter Beobachter". Und so entstanden seine Menschenbilder, die Experten durchaus mit denen eines Rembrandt, Hals oder Goya vergleichen.

"Hinter den verschiedenen Werkgruppen seiner Paardarstellungen stößt man auf ein unstillbares Interesse am Menschen schlechthin", so Ohlsen. "Ihn bewegt die Faszination für das ,Wunder Mensch und ein tiefer Glaube an das Gute."

Die Ausstellung "Emil Nolde - Paare" in der Kunsthalle in Emden, Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden, ist dienstags von 10 bis 20 Uhr, mittwochs bis freitags von 10 bis 17 Uhr, am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet, Eintritt 8 / 5 Euro, Kinder bis 15 Jahre frei, bis 14. Januar 2007. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 176 Seiten, 146 Abb. davon 118 farbig, im Museum 25 Euro, im Buchhandel, geb. mit Schutzumschlag, 29,80 Euro).
 
     
     
 
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