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Zeugenaussagen zu Nemmersdorf

 
     
 
Die bereits vorher umlaufenden Gerüchte über die Niedermetzelung der deutschen Zivilbevölkerung durch die Russen fand ich dort voll bestätigt. Ich sah aus der durch Nemmersdorf hindurchführenden Landstraße Gumbinnen-Angerapp, in unmittelbarer Nähe der über das Flüßchen Angerapp führenden Straßenbrücke, einen von russischen Panzern zusammengefahrenen Flüchtlingstreck, von dem nicht nur die Fahrzeuge und Zugtiere, sondern auch eine große Anzahl von Zivilisten, vorwiegend Frauen und Kinder, durch die russischen Panzer plattgewalzt waren. Am Straßenrand und in den Höfen der Häuser lagen massenhaft Leichen von Zivilisten, die augenscheinlich nicht nur durch Kampfhandlungen führende Geschosse getötet waren, sondern planmäßig ermordet worden waren. Am Straßenrand saß, zusammengekauert, eine durch Genickschuß getötete alte Frau. Nicht weit davon lag ein mehrere Monate alter Säugling
, der durch einen Nahschuß durch die Stirn (stark verbrannter Einschuß, faustgroßer Ausschuß am Hinterkopf) ermordet war. Eine Anzahl Männer, die keine weiteren tödlichen Verletzungen aufwiesen, waren durch Schläge, wohl mit Spaten oder Gewehrkolben, in das völlig zertrümmerte Gesicht getötet worden. In mindestens einem Fall war ein Mann an ein Scheunentor angenagelt worden. Aber nicht nur in Nemmersdorf selbst, sondern auch in den benachbarten, zwischen Angerapp und Rominten gelegenen Ortschaften, die bei dem gleichen Gegenangriff von russischen Truppen gesäubert wurden, wurden zahllose gleich-artige Fälle festgestellt. Lebende deutsche Zivilisten habe ich weder in Nemmersdorf noch in den Nachbarortschaften mehr angetroffen, obschon von dort infolge der überraschenden russischen Panzervorstöße keine nennenswerte Zahl von Flüchtlingen hat fortkommen können.

(Oberleutnant der Reserve Dr. H. Amberger, Chef einer Fallschirm-Panzergrenadier-Kompanie, die am deutschen Gegenangriff beteiligt war, zitiert nach: Rudolf Grenz: Stadt und Kreis Gumbinnen. Eine ostdeutsche Dokumentation, Marburg an der Lahn 1971, S. 634 f.)

Am 23. Oktober 1944, gegen 8 Uhr, kam ich mit Gebietskommissar Wurach nach Nemmersdorf mit dem Auftrag festzustellen, ob hier Leute erschossen wurden. Am westlichen Ortseingang von Nemmersdorf lagen in einer Schlucht 9 Leichen. Es waren drei Frauen, drei Männer und drei Kinder, die alle Kopfverletzungen aufwiesen. Im Ort selbst lagen ein erschossener Zivilist vor dem Spritzenhaus, ein Mann im Kuhstall eines Gehöfts, eine Frau saß in der Stube mit gefalteten Händen erschossen auf einem Stuhl. Ihre Beine waren mit einer Decke umwickelt, was darauf schließen läßt, daß sie in keiner Weise Widerstand geleistet hat. Die Wohnung ist zweifellos geplündert worden, weil alles durchwühlt war und verschiedene Sachen umherlagen. Eine erschossene Frau hockte auf den Knien am Straßenrand neben einem Fahrzeug und hatte die Hände vor dem Gesicht. An der Brücke neben einem Haus lagen eine ältere und eine jüngere Frau und ein Kind auf der Straße. In einem Haus fand ich eine jüngere Frau mit gespreizten Beinen vor. Ich erkenne sie als diejenige Frau wieder, wo der Arzt festgestellt hat, daß sie geschlechtlich gebraucht worden ist. Im gleichen Zimmer lagen noch eine alte Frau und ein alter Mann mit Kopfverletzungen. Wir trugen die Leichen zusammen und brachten sie auf den Friedhof.

(Emil Radüns, zitiert nach: Alfred-Maurice de Zayas: Anmerkungen zur Vertreibung der Deutschen aus dem Osten, Stuttgart 1986, S. 64 f.)

Am Dorfrand in Richtung Sodehnen-Nemmersdorf steht auf der linken Straßenseite ein großes Gasthaus „Weißer Krug“, rechts davon geht eine Straße ab, die zu den umliegenden Gehöften führt. An dem ersten Gehöft, links von dieser Straße, stand ein Lieferwagen. An diesem waren vier nackte Frauen in gekreuzigter Stellung durch die Hände genagelt. Hinter dem „Weißen Krug“ in Richtung Gumbinnen ist ein freier Platz mit dem Denkmal des unbekannten Soldaten. Hinter diesem freien Platz steht wiederum ein großes Gasthaus „Roter Krug“. An diesem Gasthaus stand längs der Straße eine Scheune. An die beiden Scheunentüre waren je eine Frau nackt in gekreuzigter Stellung, durch die Hände genagelt.

Weiter fanden wir dann in den Wohnungen insgesamt 72 Frauen, einschließlich Kinder und einen alten Mann von 74 Jahren, die sämtlich tot waren, fast ausschließlich bestialisch ermordet, bis auf nur wenige, die Genickschüsse aufwiesen. Unter den Toten befanden sich auch Kinder im Windelalter, denen mit einem harten Gegenstand der Schädel eingeschlagen war. In einer Stube fanden wir auf einem Sofa in sitzender Stellung eine alte Frau von über 80 Jahren vor, auch bereits tot. Dieser Toten fehlte der halbe Kopf, der anscheinend mit einer Axt oder Spaten von oben nach dem Halse weggespalten war.

(Volkssturmmann K. P. aus Königsberg, der mit seiner Kompanie zu Aufräumungsarbeiten nach Nemmersdorf geschickt worden war, zitiert nach: Rudolf Grenz: Stadt und Kreis Gumbinnen. Eine ostdeutsche Dokumentation, Marburg an der Lahn 1971, S. 635.)

In Nemmersdorf sahen wir nun selbst die Geschehnisse: Die Angerapp-Brücke war gesprengt, und zwischen den Bruchstücken schwebte ein sowjetischer T 34-Panzer. Auf den umliegenden Feldern lagen reihenweise Tote, Kinder wie Greise, Mädchen und Frauen, geschändet und verstümmelt bis zur Unkenntlichkeit. Darunter waren auch zahlreiche Treck-Flüchtlinge und sogar französische Kriegsgefangene.

(Joachim Reisch: Bepackte Pferdewagen in Hamburg) 

Bei Nemmersdorf am 21. Oktober 1944: Wenn von dem unsäglichen Guido Knopp auch in Zweifel gezogen wird, daß hier Frauen von der Roten Armee vergewaltigt, gekreuzigt oder angenagelt wurden, so herrscht doch Einigkeit darüber, daß in diesem ostdeutschen Ort sowjetische Soldaten unter der deutschen Zivilbevölkerung ein Massaker angerichtet haben.

 
     
     
 
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